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Satsang

Es ist an dieser Stelle wenig sinnvoll Satsang erklären zu wollen. Du kannst den Begriff „Satsang” einfach googeln. Du wirst eine Überfülle von Interpretationen finden und vermutlich kannst du die unterschiedlichen Erklärungen dann gar nicht ordnen, wenn du bisher keine Erfahrungen mit Satsang gemacht hast. Es ist, als ob man jemandem, der noch nie eine Tasse Kaffee getrunken hat, erklären wollte, wie Kaffee schmeckt. Ohne die Erfahrung von Satsang wirst du nie wissen können was Satsang ist. Aus diesem Grunde laden wir dich zum Satsang ein, um diese spirituelle Veranstaltung auf dich wirken zu lassen.  

 Da Satsang viele Gesichter haben kann, beschreibe ich hier, wie wir Satsang machen. Satsang ist aus den Sanskrit-Begriffen „satya” mit der Bedeutung „Wahrheit” und „sanga”, auf Deutsch „zusammenkommen” abgeleitet. „Sat” heißt „Sein” und „satya” heißt „Wahrheit”: die Wahrheit des Absoluten Seins. Satsang heißt also sinngemäß „in Wahrheit zusammenkommen”, oder „Versammlung, um die Wahrheit zu hören”. Satsang ist zwar hauptsächlich das Zusammensein mit einem spirituellen Lehrer, der diese Wahrheit verkörpert. Aber auch die Zusammenkunft mit anderen Wahrheits-Suchern und Entdeckern, um voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu inspirieren ist Satsang. Wir kommen zusammen, um gemeinsam zu meditieren, Mantras zu rezitieren, Kirtan und Bhajans zu singen und spirituelle Themen zu besprechen. Das gemeinsame Singen ist die Stimme der Seele und verbindet uns auf einer tiefen Ebene miteinander. Zusammen zu singen, mit anderen über die höchste Wahrheit zu sprechen und sich von spirituellen Geschichten beflügeln zu lassen -  das alles ist SATSANG.

Es gibt einen weiteren Sanskrit-Begriff für die Wahrheit, "rita". Rita ist genauso ABSOLUTE WAHRHEIT wie "satya". Rita ist nicht etwa relative Wahrheit, nicht das, was in einem relativen Zusammenhang als wahr angenommen wird, sozusagen "meine Wahrheit" kontra "deine Wahrheit". Aus dem Festhalten an eigenen sogenannten Wahrheiten, Sichtweisen und Überzeugungen ist schon so mancher Streit entstanden. Im schlimmsten Fall sogar Mord, Totschlag und Krieg. Rita ist mit Satya identisch. Dennoch gibt es einen Unterschied. So wie Atman und Brahman identisch und doch unterschiedlich sind. In Thailand hört man oft das Schlagwort "same same but different". Mittlerweile ist diese Redewendung auch in Indien angekommen. Das ist für deutsche Ohren ungewöhnlich, weil es uns als Widerspruch erscheint. Was richtig ist, kann nach herkömmlicher Logik nicht zugleich falsch sein. Aus Satsang-Perspektive sind Wahrheit und Unwahrheit jedoch kein unvereinbarer Zwiespalt. Das Gegensatzpaar ist hier nicht Wahrheit und Lüge sondern Wahrheit und Wahrheiten: die absolute (unanfechtbare) Wahrheit und die vielen (bedingten) Wahrheiten.

Zu unseren Satsangs kommen Menschen mit ganz unterschiedlichen spirituellen Interessen und Erfahrungen. Manche haben einen persönlichen Meister oder eine persönliche spirituelle Lehrerin und manche richten sich nach einem bestimmten spirituellen System aus. Bei unseren Satsangs spielt es keine Rolle, wer unsere persönliche spirituelle Lehrerin oder wer unser persönlicher Lehrer ist; auch nicht, ob wir überhaupt durch einen Guru in menschlicher Gestalt geführt werden. Jede und jeder, der auf dem spirituellen Weg ist, ist willkommen. Schließlich gibt es unzählige unterschiedliche Wege, Lehren und Lehrer. DIESER spirituelle Meister (Guru) lehr DIES, ein anderer sagt DAS. Nach unserem Verständnis können sich diese Aussagen widersprechen, so dass Schüler, zumindest im Anfangsstadium der spirituellen Suche, oft verwirrt sind. Doch alle Aussagen sind "rita", die reine Wahrheit. Sie wird von unterschiedlichen Lehrern in eine für Schüler verständliche Form gegossen. In der Rig Veda heißt es „ekam sad vipra bahudha vadanti” Auf Deutsch: „Die Wahrheit ist eins; Die Weisen geben ihr verschiedene Namen”.

Die Absolute Wahrheit ist in jeder Hinsicht Wahrheit. Bei unseren Satsangs tragen wir dies im Herzen. Da jedoch auch unsere Satsang in der relativen Welt stattfinden berücksichtigen und respektieren wir die Unterschiede und die Vielfalt menschlicher Ansichten. Es geht nicht um Rechthaberei und Besserwisserei. Gerade das Beharren auf einer allein gültigen Wahrheit zieht oft Konflikte nach sich. Um liebevoll miteinander umgehen zu können, müssen wir die relativen Wahrheiten anerkennen ohne die absolute Wahrheit aus den Augen zu verlieren. I can EXPLAIN it to you, but I can't UNDERSTAND it for you. Willkommen zum Satsang.

Es gibt zwar kein festes Programm, aber eine Struktur. Unsere Satsangs (im Lebensrad-Haus) bestehen aus: Kirtan, Sankirtan, Bhajans und Mantra-Chanting, Dharmachakra und eventuell Arti und Prasad.

Kirtan / Sankirtan: Kirtan ist das Singen von spirituellen Liedern, die wir auch gerne „Lieder der Hingabe“ nennen. Sie werden der yogischen Tradition zufolge vorwiegend in Sanskrit und im Wechselgesang (call and response) gesungen. Dabei singt ein Vorsänger eine Zeile, die anschließend im Gruppengesang wiederholt wird. Wenn Kirtan von vielen Menschen gemeinsam gemacht wird heißt es Sankirtan. Im Sankirtan entsteht eine kraftvolle spirituelle Energie, denn das Singen und Tanzen ergreift das Innerste der menschlichen Seele und öffnet das Herz.

 Bhajans und Mantra-Rezitation: Bhajans sind spirituelle Lieder mit einem wortreicheren Text (manchmal sind es vertonte Gedichte). Es gibt keine strenge Unterscheidung von Kirtan und Bhajan. Bhajans werden aber oft zusammen gesungen statt im Wechselgesang.

Dharmachakra: Dieser meist in der Mitte befindliche Teil besteht aus einer Gruppenmeditation, als geführte oder auch stille Meditation (dhyana), Shravana und Sharing. Shravana heißt hören oder zuhören und meint genau genommen von der höchsten Wahrheit zu hören, über sie zu lesen oder aus den heiligen Schriften zu lernen. Wir lesen spirituelle Texte oder spirituellen Geschichten  vor oder halten kurz gefasste Vorträge. Die meiste Resonanz wird freilich erzielt, wenn sie durch einen erfahrenen Acharya (Lehrer) oder erfahrenen Yogi vorgetragen werden. „Es kommt nicht darauf an wer was gesagt hat, sondern darauf dass man etwas gemeinsam entdeckt und heraus findet dessen man sich vorher nicht bewusst war. Man hat sich also geholfen, sich gegenseitig an etwas zu erinnern, dass in allen Beteiligten bereits angelegt war.” (Hans-Peter Dürr; Es gibt keine Materie). Anschließend können wir ein Sharing machen. Jeder, der sich äußern will bekommt dazu Gelegenheit. Doch wird dabei nicht diskutiert. Wenn sich das Herz öffnet soll der Kopf mal schweigen.

 

 

Prasad: Prasad bedeutet gesegnete Speise oder Opferspeise, die dem Göttlichen dargebracht und an die Teilnehmer einer Puja verteilt wird. Aus praktischen Gründen sehen wir beim Satsang in der Regel davon ab. Falls wir zu besonderen Anlässen am Ende des Satsang noch zum gemeinsamen Essen einladen, bitten wir die Teilnehmer eine leichte vegetarische oder vegane Gabe für das Buffet mitzubringen. 

 

Exemplarischer Ablauf:

Eröffnung: Wenn Satsang bei uns im Lebensrad-Haus stattfindet, leitet Manfred mit „Jai Ganesha” die Sankirtan-Runde ein. Ganesha ist der Türöffner, Wegbereiter und Zuteiler des Schicksals. In seiner Gestalt als Vinayaka ist er der Beseitiger der Hindernisse. Ganesha eröffnet und begleitet den spirituellen Lebensweg.

Sankirtan: Gemeinsam singen wir weitere Bhajans oder chanten Mantras. Wenn Manfred singt, spielt er dazu auf dem Harmonium. Manfred freut sich, wenn er von anderen Musikern mit Gitarre, Tabla, Mridangam und anderen Instrumenten begleitet wird. Wir laden ausdrücklich alle Satsang-Musiker ein, sich mit ihrer Stimme, Instrumenten und eigenen Liedern zu beteiligen.Beim Sankirtan sind alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer eingeladen, sich aktiv zu beteiligen: eigene Instrumente mitzubringen, zu trommeln, mitzusingen und sich mit eigenen Liedern einzubringen (es dürfen auch englische, deutsche oder internationale Texte sein, sofern sie im Rahmen des Satsang passen, d.h. „spiritueller Natur” sind). Wir stellen auch Perkussionsinstrumente (Tamburin, Zimbeln, Rasseln usw.) zur Verfügung, um richtig in den Rhythmus zu kommen. Selbstverständlich darf beim Sankirtan auch getanzt werden. Nach jedem Musikstück machen wir eine Pause, um in die Stille einzutauchen. „Wenn das Singen aufhört, dämmert eine tiefe Stille. Zweck der Musik ist es, zu dieser Stille zurückzukehren, zurückzukehren zum Selbst.” (Sri Sri Ravi Shankar).

Dharmachakra: Siehe oben. Auch hierbei ist Beteiligung gern gesehen. Allerdings soll daraus keine Diskussionsrunde werden.

Sankirtan: Anschließend machen wir weiter mit Sankirtan und zum Ende singen wir „Jai Jai Radha Ramana” und lassen den Satsang mit Om Shanti ausklingen. 

Orte und Termine:Die oben beschriebene Struktur bezieht sich auf Satsangs im Lebensrad-Haus. Satsang kann auch an anderen Orten und mit anderen Protagonisten stattfinden. Satsang findet zu unterschiedlichen Terminen statt. Die Einladungen werden per Rundmail verschickt. Wenn Du in die Liste aufgenommen werden möchtest schicke eine Mail an satsang@das-lebensrad.de.   

 

 Persönlicher Nachtrag: Manfred würde mich sehr freuen, wenn es uns gelinge würde eine Satsang-Band ins Leben zu rufen.

 


Eine Gruppe von Menschen, die im Zustand der Gegenwärtigkeit zusammenkommen, erzeugt ein kollektives Energiefeld von großer Intensität.

Eckhart Tolle